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Przewalskipferde im Stadtwald


 

 

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Sehr geehrte Freunde des Beweidungsprojekts,

der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. hat zum Jahresende 2014 die Haltung von Rothirschen im Rahmen des Beweidungsprojekts beendet. Gründe sind die mangelnde Erreichung der naturschutzfachlichen Beweidungsziele und der hohe Managementaufwand.

Uns ist bewusst, dass die Entscheidung, die Haltung aufzugeben nicht überall auf Zustimmung stößt und möchten Ihnen daher die Hintergründe dieser Entscheidung erläutern, auch was die zukünftige Nutzung des Geheges anbelangt.

>> Bürgerinformation zur Aufgabe der Rothirschhaltung

 

 

Wie archäologische Funde aus Pestenacker (Landkreis Landsberg am Lech) belegen, lebten auch Wildpferde nach der letzten Kaltzeit in den lichten Kiefernwäldern des Lechtals.

 

Auch die fortschreitende Auflichtung der lechfernen Landschaft durch intensive Rodungen der frühen Ackerbauern kam den Lebensraumansprüchen der Wildpferde entgegen.

 

Aufgrund der zunehmenden Konkurrenz zu Menschen und Haustieren um Lebensraum und Nahrung starben die europäischen Wildpferde im Laufe der Zeit aus.

Das aus den Steppen Zentralasiens stammende Przewalskipferd (Equus ferus przewalskii) ist die letzte echte Wildpferdart. Im Freiland waren Przewalskipferde seit Ende der 1960er Jahre ausgestorben. Durch koordinierte Erhaltungszuchtprogramme Zoologischer Gärten konnte die Art jedoch vor dem vollständigen Aussterben gerettet werden. 

descIn Europa spielen Przewalskipferde heute eine wichtige Rolle in der Landschaftspflege.

 

In unserem Gehege leben junge Hengste, die hier die notwendigen Verhaltensweisen lernen, um später in einem Zoo oder einem anderen Semireservat des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) mit einer Stutengruppe zusammenleben zu können. 

 

Das Haltungssystem im EEP mit Harems- und Junggesellengruppen ist artgerecht und entspricht dem natürlichen Sozialsystem der Przewalskipferde im Freiland.

 

 

 

Przewalskipferde - Die letzten echten Wildpferde

Ende des 19. Jahrhunderts sorgte eine Entdeckung des russischen Naturforschers Nikolaj Przewalski in Europa für Aufregung. Auf einer Expedition in Zentralasien wurden ihm ein Fell und ein Skelett des später nach ihm benannten Wildpferds geschenkt. Bis dahin ging man davon aus, dass Wildpferde, deren Vorkommen im nacheiszeitlichen Eurasien durch Knochenfunde und Wandmalereien dokumentiert ist, ausgestorben waren.

 

Inzwischen weiß man, dass das Przewalskipferd nicht der Vorfahre unseres Hauspferds ist, da sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet weit entfernt von den Domestikationszentren der Hauspferde liegt. Heute gilt der Steppentarpan als Vorfahre unserer Hauspferde.

 


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Mit kompaktem Körper gegen die Elemente

Przewalskipferde sind sehr gut an extreme klimatische Bedingungen angepasst. Mit ihrem dichten Winterfell, der dicken Unterhautfettschicht und der Möglichkeit, Herzschlag und Hauttemperatur zu senken, kommen sie auch bei Temperaturen von bis zu -40 °C noch gut zurecht.


Der in verschiedenen Brauntönen gefärbte kompakte Körper der Przewalskipferde unterscheidet sich in einigen Merkmalen von einem Hauspferd, wie z.B. Stehmähne und Schweif mit kurzen, hellen Hülsenhaaren, Aalstrich oder Zebrastreifen an den Beinen. Die Augen sind hell abgesetzt, ebenso ist Maulpartie und Bauch fast immer weiß.


Das letzte bekannte Verbreitungsgebiet der Przewalskipferde sind die Steppen, Oasen und Bergtäler der Gobi. Wie das Beispiel des Hustai Nuruu-Nationalparks in der Mongolei zeigt, kommen sie aber auch in halboffenen Waldlandschaften gut zurecht.

 

Als Nahrung benötigen sie nährstoffreiche Gräser und Kräuter. Für die täglich benötigte Wasseraufnahme müssen Quelle in erreichbarer Nähe sein oder der Grundwasserspiegel muss so hoch liegen, dass sie nach Wasser graben können. Echte Wüsten haben Przewalskipferde daher nie besiedeln können.



descLockere Kommunen und lebenslange Beziehungsbande

Die soziale Organisation der Przewalskipferde umfasst Haremsgruppen aus etwa drei bis fünf Stuten und deren bis zu drei Jahre altem Nachwuchs sowie getrenntgeschlechtliche Gruppen aus jungen Stuten und Hengsten.


Erwachsene Stuten bleiben oft ihr Leben lang zusammen. Hengste können einen Harem so lange halten, bis sie von einem stärkeren Hengst im Kampf besiegt und vertrieben werden. Ein Haremshengst verteidigt seinen Harem innerhalb eines festen Streifgebiets, das mit den Streifgebieten anderer Gruppen überlappen kann.


Wenn Jungstuten und -hengste im Alter von ein bis drei Jahren ihre Geburtsgruppe verlassen, schließen sie sich zu lockeren Gruppen zusammen. Jungstuten sind spätestens im Alter von drei Jahren fortpflanzungsfähig und suchen dann einen starken Hengst, bei dem sie zukünftig bleiben.

 

Junghengste hingegen bleiben länger in einer Junggesellengruppe. Hier trainieren sie zunächst spielerisch und schließlich mit zunehmendem Ernst Kampf- und Dominanzverhalten. Dieses Training bereitet die jungen Hengste auf ihr späteres Leben in einer Haremsgruppe vor.



descAus der Natur zurück in die Natur

Nach der Entdeckung der Przewalskipferde wurden für Zoos und private Züchter bis Anfang des 20. Jahrhunderts 55 Fohlen nach Europa gebracht.

 

Alle heute lebenden etwa 2000 Przewalskipferde gehen jedoch nur auf 12 Tiere zurück, mit denen nach dem 2. Weltkrieg die Zucht in Zoologischen Gärten wieder aufgenommen werden konnte.


In Europa, Nordamerika und Asien/Australien existieren heute koordinierte Zuchtprogramme, die die Populationsentwicklung kontrollieren. Neben der Ansiedlung in zahlreichen Semi-Reservaten wurden seit 1992 unter Beteiligung der Zuchtprogramme auch verschiedene Wiederansiedlungsprojekte in den Herkunftsländern der Przewalskipferde ins Leben gerufen. So leben heute in der Mongolei und in China wieder über 350 Przewalskipferde in freier Wildbahn.


Die Geschichte des Przewalskipferds ist daher DIE Erfolgsgeschichte einer durch Nachzucht in Menschenobhut geretteten Tierart.

 


 

 

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